08/05/2026

Marktkommentar - April 2026

Das grosse Bild: Fokus auf das Positive 

Die Finanzmärkte haben im April eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit gezeigt. Nach den turbulenten Wochen seit Ausbruch des Krieges im Nahen Osten richten Anlegerinnen und Anleger ihren Fokus zunehmend nach vorne. Die vorübergehende Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hat Erleichterung gebracht, wodurch sich die Aufmerksamkeit spürbar auf positive Wirtschaftsnachrichten verlagert. Die amerikanische Wirtschaft ist im ersten Quartal solide gewachsen, getragen von einem anhaltenden Boom bei Investitionen in künstliche Intelligenz. Die laufende Berichtssaison der Unternehmen hat positiv überrascht: Die grosse Mehrheit der amerikanischen Konzerne übertraf die Erwartungen. Auch Technologiegiganten wie Alphabet und Qualcomm legten starke Zahlen vor. Besonders erfreulich ist, dass die Gewinne diesmal nicht nur von einigen wenigen grossen Unternehmen getragen wurden, sondern sich das Wachstum breiter über verschiedene Branchen erstreckte. Zudem überzeugten klassische Industriewerte wie Caterpillar mit starken Ergebnissen, die die robuste Nachfrage in der Realwirtschaft bestätigen. Die Märkte reagierten darauf mit deutlichen Kursgewinnen. Auch in Asien war die Stimmung ausgesprochen positiv. Japan und Südkorea legten besonders stark zu, und China meldete ein solides Wachstum im ersten Quartal, auch wenn die Einkaufsmanagerindizes ein gemischtes Bild zeichneten. Der April zählt zu den stärksten Börsenmonaten der letzten Jahre. 

 

Europa und die Schweiz: Ein nüchternerer Blick 

Die europäische Wirtschaft sendet gemischte Signale aus. Die Industrie wirkt auf den ersten Blick noch bemerkenswert robust, doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass ein grosser Teil dieses Wachstums auf Vorratskäufe zurückzuführen ist. Unternehmen sichern sich Rohstoffe und Vorleistungen, da sie steigende Preise und Lieferengpässe befürchten. Dies ist kein Zeichen von Stärke, sondern von Unsicherheit. Im Dienstleistungssektor, der für die Wirtschaft eine noch grössere Bedeutung hat, ist das Bild deutlicher. Dieser Bereich ist erstmals seit längerer Zeit in den Schrumpfungsbereich geraten, da sich Konsumentinnen und Konsumenten angesichts höherer Energie- und Lebenshaltungskosten zurückhalten. Die Stimmung der Unternehmen in Deutschland hat sich auf den niedrigsten Stand seit Jahren verschlechtert. Auch die Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher sind in der gesamten Eurozone so niedrig wie zuletzt zu Beginn des Jahres 2023. Energieintensive Branchen wie die Chemie- und Logistikbranche spüren diesen Gegenwind besonders stark. Im Vergleich dazu zeigt sich die Schweiz stabil. Die Inflation bleibt niedrig, der Arbeitsmarkt erweist sich als robust, und die Nationalbank behält die Zinsen unverändert. Zwar hat sich die Konsumentenstimmung hierzulande leicht eingetrübt, doch die Auswirkungen des Konflikts bleiben moderater als bei den Nachbarländern.

 

Das unterschätzte Risiko: Was, wenn die Blockade bleibt? 

Was leicht aus dem Blickfeld gerät, ist die Kehrseite der Markterholung. Die Energiepreise liegen trotz der Entspannung weiterhin deutlich über dem Niveau vor Kriegsbeginn. Die Inflation zieht in den USA und Europa spürbar an und die Inflationserwartungen der Konsumentinnen und Konsumenten haben sich merklich erhöht. Besonders beunruhigend ist, dass der Preisanstieg längst nicht mehr auf Benzin und Heizöl beschränkt bleibt, sondern zunehmend auch Transportkosten, Lebensmittel und andere Alltagsgüter betrifft. Sollte die Blockade an der Strasse von Hormus länger andauern als erwartet, könnten sich diese Preissteigerungen weiter verfestigen und die Kaufkraft privater Haushalte in einem Ausmass belasten, das die positiven Impulse aus der Gewinnsaison rasch überwiegt. Die Notenbanken befänden sich dann in einer äusserst schwierigen Lage: Einerseits benötigt die schwächelnde Konjunktur Unterstützung, andererseits muss die Inflation bekämpft werden. Die Europäische Zentralbank hat bereits signalisiert, dass eine Zinserhöhung im Sommer zur Diskussion stehen könnte. Die Märkte scheinen dieses Szenario derzeit zu unterschätzen und gehen davon aus, dass sich die Lage im Nahen Osten rasch normalisiert. Ob diese Zuversicht gerechtfertigt ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

 

Aktienmärkte

Der April war an den Aktienmärkten ausgesprochen stark. Getragen von einer besser als erwarteten Gewinnsaison und dem anhaltenden Boom im Bereich künstlicher Intelligenz verzeichneten insbesondere die amerikanischen und asiatischen Märkte deutliche Kursgewinne. Die Waffenruhe im Nahen Osten trug zusätzlich zur Beruhigung bei, was sich am deutlichen Rückgang der Volatilitätsindizes ablesen lässt. Auch die europäischen Märkte profitierten von der verbesserten Stimmung, wenn auch in geringerem Ausmass. Der Schweizer Markt präsentierte sich solide und zeigte sich robust, blieb jedoch hinter dem internationalen Tempo zurück. Die breite Erholung ist ein ermutigendes Zeichen für die Stabilität des Aufschwungs.

 

Zinsen

Die grossen Notenbanken haben ihre Leitzinsen im April unverändert belassen. Sowohl die amerikanische Federal Reserve als auch die Europäische Zentralbank befinden sich in einer abwartenden Haltung und beobachten die weitere Entwicklung der Energiepreise sowie der Inflation, bevor sie den nächsten Schritt unternehmen. In den USA sind Zinssenkungen auf unbestimmte Zeit verschoben, da der Inflationsdruck hartnäckiger bleibt als erwartet. In Europa hingegen könnte bei weiterhin hohem Inflationsdruck im Sommer eine Zinserhöhung folgen. Die Renditen langlaufender Staatsanleihen sind in mehreren Ländern weiter gestiegen, was die Besorgnis der Anleger über die mittelfristigen Inflationsaussichten widerspiegelt.

 

Währungen und Rohstoffe

Der Schweizer Franken hat sich im April leicht aufgewertet und profitierte damit einmal mehr von seiner Rolle als sicherer Hafen in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld. Gold gab geringfügig nach, bleibt jedoch auf hohem Niveau und gilt bei vielen Anlegern weiterhin als wichtiger sicherer Hafen. Die Ölpreise liegen trotz der Waffenruhe noch deutlich über dem Niveau vor Kriegsbeginn, was die Energiekosten für Haushalte und Unternehmen weiterhin hochhält. Insbesondere Benzin hat sich im Vergleich zum Jahresbeginn deutlich verteuert und belastet dadurch die Haushaltsbudgets in vielen Ländern spürbar. Bitcoin verzeichnete ebenfalls einen deutlichen Wertzuwachs.

 

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